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Mozart-Effekt – Warum klassische Musik für die gesamte Menschheit wertvoll ist

(Bild: iStock 146077750/nikoniaiii)

Die Universität Oxford meldete Ende März, dass sie klassische Komponisten wie Mozart, Bach und Co im Studienplan reduzieren wollen. Grund dafür sei, den Lehrplan zu „dekolonialisieren“, indem „weiße europäische Musik aus der Sklavenzeit“ wie die von Mozart reduziert werden soll. Jedoch ist gerade der sogenannte Mozart-Effekt ein Beispiel dafür, dass klassische Musik auch weit über die Landesgrenzen hinaus erhalten bleiben sollte.

Am 31. März 2021 berichtete der Telegraph, dass die britische Eliteuniversität Oxford plane, den Lehrplan zu verändern, indem sie das Lehrangebot mit „nicht-westlicher und populärer Musik“ erweitern. Mehrere Wissenschaftler gaben an, dass der aktuelle Lehrplan ein „kolonialistisches Repräsentationssystem“ widerspiegele und für einige Studenten „ein Schlag ins Gesicht sei“. Der große Fokus auf „weiße europäische Musik“ soll vor allem schwarze Studenten in „große Bedrängnis bringen“. 

In Anlehnung an die Forderungen der „Black Lives Matter“ Bewegung will man im neuen Lehrplan daran arbeiten, die „Vielfalt zu verbessern“. So soll unter anderem das Erlernen von klassischem Klavierspielen oder Dirigieren nicht länger verpflichtend sein oder mehr „nicht weiße“ Lehrende eingestellt werden. 

Jedoch zeigte eine erst kürzlich erschienene Studie, dass das Hören von klassischer Musik, insbesondere Musikstücke von Mozart, außergewöhnliche Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen hat, die weit über das Verständnis von „Rassen“ oder „Landesgrenzen“ hinausgehen. 

Der Mozart-Effekt als Beispiel für die Wirkung der klassischen Musik 

Der „Mozart Effekt” beschreibt positive Auswirkungen beim Hören von Mozarts Musikstücken. Während dieser Effekt bisher als umstritten galt, zeigt eine neue Studie nun, dass regelmäßiges Anhören der Sonate in D-Dur für zwei Klaviere, K. 488, bei Epileptikern die Anzahl der Anfälle signifikant senkt. Eine mit einem Computerprogramm bearbeitete Version der Sonate zeigte hingegen keine vergleichbare Wirkung.

Positive Auswirkungen beim Hören von Mozarts Musikstücken beobachtet man schon seit Langem. Besonders die Sonate in D-Dur für zwei Klaviere, K. 488 rückt seit der ersten wissenschaftlichen Studie aus dem Jahre 1993 immer wieder in den Fokus der Wissenschaftler. In der damaligen Untersuchung beschrieben Forscher, dass es beim Anhören dieser Sonate zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie der neurologischen Aktivität käme. Dies prägte den Begriff „Mozart-Effekt“.

In der nun kürzlich veröffentlichten Studie zeigten kanadische Forscher einen neuen Effekt der Sonate K. 488: Das regelmäßige Anhören des Musikstückes reduzierte das Auftreten von epileptischen Anfällen um bis zu 35 Prozent. Als Kontrolle diente eine mittels Computer und Algorithmus veränderte Version des Stückes. Bei dieser rhythmisch veränderten Variante gab es keinen vergleichbaren Effekt.

Dieses Ergebnis war für die Forscher überraschend, da ihre Hypothese eigentlich lautete, dass es „keinen Unterschied geben würde“.

Mozarts Sonate als zukünftige Therapie

Für die Studie wiesen die Forscher 13 Epilepsiepatienten an, drei Monate lang täglich sechs Minuten der originalen Sonate K. 488 anzuhören. Die Kontrollgruppe hörte über den gleichen Zeitraum die am Computer veränderte Version des Musikstückes. In dieser Version wurden rhythmische Komponenten unter der Verwendung eines Algorithmus variiert. Dadurch änderten sich das Muster und die Abfolge der Töne des Stückes.

Bis auf eine Ausnahme zeigten alle Patienten deutliche Verbesserungen beim Hören des Originalstückes im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bei einem 42-jährigen Patienten stoppten die Anfälle während der drei Monate sogar vollständig.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass tägliches Anhören von Mozarts K. 448 zu einer geringeren Häufigkeit von Anfällen bei erwachsenen Menschen mit Epilepsie führt“, sagt Dr. Rafiee, Erstautorin der Studie. „Dies deutet darauf hin, dass man das tägliche Anhören von Mozart als ergänzende Therapie zur Reduktion von Anfällen bei Epileptikern einsetzen kann“.

Weitere Untersuchungen mit mehreren Teilnehmern und Parametern sind geplant.

Dies war jedoch nicht die erste Studie, die den „Mozart Effekt“ bei Epilepsie untersuchte. Bereits 1998 gab es Erkenntnisse, dass diese Sonate von Mozart Epileptikern helfen kann. Damals diente ein Pop-Song als Kontrolle, der wesentlich schlechtere Wirkungen zeigte als das klassische Werk. Allerdings zweifelten andere Wissenschaftler die statistische Auswertung dieser Studie an und wiesen auf Limitierungen der Methoden hin.

(Bild: iStock 106533163/zudin)

Muster in Mozarts Musik

Eine mögliche Erklärung des „Mozart Effekts“ fand der Arzt und Studienautor Jenkins im Jahr 2001: die auffällige Langzeit-Periodizität, die in klassischen Werken immer wieder vorkommt. Dies bezieht sich auf bestimmte Muster, die sich in längeren Abständen wiederholen und eine bestimmte Systematik aufweisen. In Werken von Mozart oder Bach kommen diese Muster jedoch besonders systematisch und verstärkt vor. Laut Dr. Jenkins gehe die Auswirkung von Mozarts Musik auf ebendiese Muster zurück. Welche neurologischen Effekte dabei im menschlichen Gehirn im Detail ausgelöst werden, ist bisher jedoch unklar.

Jenkins Erklärung passt zu den Erkenntnissen der kürzlich veröffentlichten Studie, in der gezeigt wurde, dass der positive Effekt bei einer Veränderung des Musters der Musik verloren geht. Obwohl Wissenschaftler sich nicht einig sind, wie und in welchem Ausmaß der „Mozart Effekt“ zustande kommt, lässt sich nicht bestreiten, dass Mozarts Sonate K. 488 ein zeitloser Klassiker und im Vergleich zu vielen anderen medikamentösen Therapien frei von Nebenwirkungen ist.

Weitere Vorteile der klassischen Musik

Eine große Anzahl an Studien zeigen auch noch weitere wesentliche Vorteile der klassischen Musik in verschiedenen Bereichen, die mit anderer Musik nicht erzielt werden konnte:

Verbesserung der Schlafqualität: Das regelmäßige Hören von klassischer Musik verbesserte die Schlafqualität von Schülern wie auch älteren Menschen. In einer Studie aus dem Jahr 2006 wurde festgestellt, dass von Schlafstörungen geplagte Schüler nach dem Hören von klassischer Musik ohne große Probleme schlafen konnten. In der Studie wurde auch Krankenschwestern empfohlen, diesen Ansatz bei der Behandlung von Menschen mit Schlaflosigkeit anzuwenden.

Niedrigerer Blutdruck:  Das Hören von klassischer Musik wirkt sich laut Studien auch positiv auf den Blutdruck aus. Musik von Mozart oder Bach hilft Stress abzubauen und den Blutdruck zu senken. 

Geistige Entspannung und verbesserte Konzentration: Studien zeigten, dass das Hören von klassischer Musik nachweislich dazu beiträgt, das Gehirn zu entspannen. Gleichzeitig ermöglicht klassische Musik eine Konzentrationssteigerung beim Lernen oder kreativen Arbeiten

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