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Türchen 22 – Herkunft der Weihnachtslieder

(Bild: iStock, 527088681/ShilohArtStudio)

Das gemeinsame Singen hat heute wahrscheinlich nicht mehr den Stellenwert, wie es in früheren Zeiten war. Heute kommt Musik meist aus den elektronischen Medien und wird passiv genossen. Doch zur Weihnachtszeit versuchen sich dann wieder deutlich mehr am traditionellen Gesang. Die Tradition der Weihnachtslieder geht bis ins Mittelalter zurück, durchlief viele Entwicklungen und überlebte sogar den Kampf gegen den Nationalsozialismus. 

Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtslieder. Heute laufen sie im Radio auf und ab und sollen uns ab Anfang November in Weihnachts- bzw. Kaufstimmung bringen. Ihren Ursprung im christlichen Glauben erkennt man nur mehr in wenigen traditionellen Liedern. 

Genau genommen sollte man zwischen Weihnachtsliedern, Adventliedern und Winterlieder unterscheiden. Als richtige Weihnachtslieder bezeichnet man Kirchenlieder, die sich auf das Thema der Geburt Jesu, der Weihnachtsgeschichte, beziehen. 

Korrekt bezeichnete Adventlieder widmen sich der Vorbereitung und Vorfreude auf das Fest der Geburt Christi. Viele zählen diese jedoch allgemein auch zu den Weihnachtsliedern. 

Lieder, wie „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Leise rieselt der Schnee“ thematisieren einfach nur die Winterzeit, ganz unabhängig von Weihnachten, könnte man also eher als Winterlieder bezeichnen. 

In lateinischer Sprache und nur vom Priester gesungen

Weihnachtslieder wurden schon im Mittelalter gesungen. Damals sang nur der Prister zu Weihnachten im Rahmen der Mitternachtsmesse die komplett in lateinischer Sprache gehaltenen Lieder. 

Später bezog man das Volk immer mehr in den kirchlichen Gesang mit ein. Es wurden vermehrt Krippenspiele aufgefürht, die ebenfalls umfangreich mit Liedern ausgeschmückt wurden. So fanden diese Lieder auch zunehmend den Weg in die Häuser der Bürger und wurden Teil familiärer Bräuche. 

Straßburger Gesangbuch von 1541, Vom Himmel hoch (Martin Luther)

Martin Luther komponierte Lieder für das Volk

Besonders in der Reformzeit wurden volkssprachliche Weihnachtslieder immer beliebter. Martin Luther selbst betätigte sich als Liederschreiber. Mehr als dreißig Melodien und Texte verfasste der Reformator für die Weihnachtszeit. Ihm war es wichtig, die Gemeinde in den Gottesdienst, der nun in deutscher Sprache abgehalten werden sollte, integriert wurde und mitsingen konnte. Da es aber noch nicht viele passende deutsche Lieder gab, komponierte sie Luther, Dank seiner musikalischen Vorbildung, selbst. 

Dabei übersetzte er einerseits bekannte lateinische Lieder, so war die Melodie dem Volk bereits bekannt. Ein Beispiel dafür ist „Gelobet seist du, Jesus Christ“, das in seiner lateinischen Version bereits seit dem 11. Jahrhundert zu Weihnachten gesungen wurde. 

Andererseits legte er neue Texte über alte bekannte Volkslieder, damit man auch hier schnell mitsingen konnte. Doch Luther schuf auch eigene Melodien. Eines der ältesten Weihnachtslieder Luthers „Nun freut euch, lieben Christen g´mein“ stammt aus dem Jahre 1523. 

Das Lied „Vom Himmel hoch“ schrieb er speziell als Kinderlied für das familiäre Weihnachtsfest. Luther war sich sicher, dass die Vermittlung der heiligen Botschaft durch Musik die Menschen noch besser und tiefer erreichen konnte.  

Später nahm Johann Sebastian Bach die Musik von Martin Luther erneut auf. Drei seiner Choräle im Weihnachtsoratorium basieren auf Luthers „Vom Himmel hoch“.

Frohe Weihnachten, Gemälde von Viggo Johansen (1891)

Viele unserer heutigen Weihnachtslieder entstammen aus dem 19. Jahrhundert, wo gute Hausmusik zum guten Bürgertum gehörte. Einigen der damals erdachten bürgerlichen Weihnachtslieder gelang es sogar in die kirchliche Gesangsbücher aufgenommen zu werden. Auch Lieder aus anderen Ländern, wie Böhmen oder England, fanden Einzug ins bürgerliche Liedgut. In diese Zeit mischten sich auch immer mehr der weniger frommen Weihnachtslieder, wie „Oh Tannenbaum“ oder „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. 

Weihnachtslieder im Nationalsozialismus und DDR

Zu Zeiten des Nationalsozialismus oder der DDR wurden Weihnachtslieder bewusst umgedichtet und dem politischen Ideal angepasst. So sollte durch die nationalsozialistische Propaganda der Einfluß des christlichen Glaubens auf das Volk zurückgedrängt werden und anstelle Jesus Adolf Hitler als Erlöser und Messias verehrt werden. 

Weihnachtslieder wurden systematisch umgetextet und dadurch „entchristlicht“ und germanisiert“. Religiöse Bezüge wollte man möglichst eliminieren, manche Lieder wurden bei offiziellen Feiern generell verboten und neue, von nationalsozialistischen Ideologien getränkte Weihnachtslieder wurden über den Rundfung und in den Schulen massiv verbreitet. 

Zum Glück ließen sich die alten, tief traditionellen Weihnachtslieder, besonders im familiären Kreis nicht vertreiben. 

Ähnliches wurde in der DDR versucht. Auch hier sollte nicht das christliche Gedankengut, sondern die politisch-sozialistischen Ideale im Vordergrund stehen. Weihnachten sah man mehr als sozialistisches Friedensfest und die Lieder dazu handelten wieder vermehrt allgemein vom Winter. 

Weihnachtslieder heute

Heute in der Zeit der Globalisierung und Komerzialisierung haben sich viele fremdsprachige, vor allem englische Weihnachtslieder fest integriert. Zumindest außerhalb des kirchlichen Rahmens. Die Lieder kommen meist aus dem Radio, wo sie bereits ab November auf und ab gespielt werden und uns in Weihnachts- beziehungsweise Kaufstimmung versetzen sollen. Viele neue Kompositionen in jedem Genre entstehen, nur wenige in Verbindung mit der ursrünglichen christlichen Botschaft über Jesu Geburt. 

Doch einige der traditionellen deutschen Lieder haben sich bis heute gehalten und dürfen bei keinem Fest der Liebe fehlen. 

Auch wenn nicht mehr viele Menschen regelmäßig in die Kirche gehen oder sich als gläubig bezeichnen würden, zieht es zu Weihnachten für gewöhnlich doch deutlich mehr in die traditionelle Weihnachtsmesse. Mit etwas Offenheit, kann man dort beim gemeinsamen Singen noch erahnen, was es bedeutet in einer Gemeinschaft die Demut vor dem Größeren zu feiern. 

Heuer wird und dieses Erlebnis, ob in der Kirche oder bei der großen Familienfeier, aufgrund der Pandemie getrübt. Doch auch im kleinen familiären Rahmen lässt es sich fein singen und Ehrfurcht erleben. Wahrscheinlich um so bewusster, denn gerade dieses kleine Virus hat uns gelehrt, was wirklich zählt und wieviel Trost und Hoffnung der Glaube geben kann. 

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